Rugievit, Porenut, Porevit

Rugievit und Porenut
Rugievit und Porenut

Rugievit ("Herr von Rügen" - also ein genius loci) war ein Kriegsgott der Ranen, dem 10 Prozent der Kriegsbeute geopfert wurden. Sein Heiligtum befand sich in der Burg Charenza, die man heute mit dem Burgwall von Venz bei Gingst gleichsetzt.

Laut Saxo Grammaticus war sein Idol aus Eichenholz so groß, daß der Bischof Absalom das Kinn mit seiner Axt nicht erreichen konnte. Es hatte sieben Gesichter unter einem einzigen Scheitel, an seinem Gürtel hingen ebensoviele Schwerter, und ein achtes hielt er gezückt in der Hand. Dieses war so fest angebracht, daß die Hand des Götterbildes abgeschlagen werden mußte. Saxo bemerkt nicht ohne Schadenfreude, daß Schwalben unter den Köpfen des hinter Vorhängen verborgenen Gottes Nester gebaut und seine Brust mit Kot beschmutzt hätten. Offenbar wurde die Entfernung der Nester also nicht für notwendig erachtet, während man bei der Reinigung des Swantewit-Tempel größte Sorgfalt an den Tag legte. Wahrscheinlich war dem Gott die Schwalbe heilig und daher unantastbar; da sie als Frühlingsbotin galt, der die Slawen am 1. März eine Feier widmeten, war Rugiewit möglicherweise auch ein Frühlingsgott.

 

Porenut wurde ebenfalls in Charenza sowie in Julin (heute Wolin) verehrt. Er wird mit vier Gesichtern auf den Schultern dargestellt; ein fünftes hatte er auf der Brust. Mit der linken Hand berührte er dessen Stirn, mit der rechten das Kinn. Sein Name, den Saxo latinisiert als "Porenutius" wiedergibt, ist nach Zdeněk Váňa möglicherweise von Perunic abgeleitet, was ihn als Sohn des Perun bezeichnen würde und ein Indiz für dessen Bekanntheit auch an der Ostsee wäre. Zu dem Hafen Pore auf Rügen könnte ebenfalls eine Beziehung bestehen. Porenut war ein Gott des Wetters, der Schiffahrt und des Seehandels; geopfert wurden ihm vorzugsweise Ochsen, Kühe und Schafe.

Porevit. Lithographie von 1835 (aus "Götzenbilder der alten Sachsen und Lausitzer")
Porevit. Lithographie von 1835 (aus "Götzenbilder der alten Sachsen und Lausitzer")

Porevit hatte ebenfalls fünf Köpfe und wurde mit den anderen beiden in Charenza verehrt; alle drei hatten aber jeweils ihre eigenen Tempel. Werner Meschkank deutet ihn als einen Gott der Schwangeren und Gebährenden und stellt einen Bezug zu sorb. póroźiś/poródźić, "gebähren" und hrona, "Wehen" her. Norbert Reiter schließt sich Maretić an, der auf polab. pary, "erster", verweist; Porevit wäre dann "der Erste" und "der Fröhlichste, Freudigste, Heiterste", ein Gott der Lebensfreude und der Lebendigkeit also, was zu seiner Rolle als Geburtshelfer passen könnte.